”Wir wollen doch nur vernünftig Arbeiten...”
... dies war 1996 die Kernaussage der beiden Geschäftsführer Christian Böster und Ralf Marckardt. ”Dicht am Kunden, ohne Informationsverlust mittels Sachbearbeitung. Quasi jeden Quadratzentimeter eines Jobs genau kennen ...”
Interview
Was war 1996 der Anlass, der eigene Chef zu werden?
M.: Zünglein an der Waage war der Umschwung von der analogen zur digitalen Druckvorlagenherstellung. In den alten Strukturen haben wir uns nicht mehr unterordnen wollen. Dafür hatten wir zu viele spritzige Ideen, die uns die neuen Geräte und deren Fähigkeiten boten.
Wie waren die Reaktionen von Freunden und Kollegen?
B.: Unterstützend, ermutigend und durchweg positiv.
Euer erster Auftrag war damals ...
M.: ... eine Weihnachtskarte für die Firma MoBa.
B.: ... für unseren Kunden SMT, den wir bis heute betreuen.
Wie hat sich das klassische Bild des Lithografen gewandelt?
M.: Damals, da waren wir noch Künstler! Heute gibt es viele, die mit den Technologien Einiges machen können, dennoch sieht das Ergebnis nicht immer kunstvoll aus.
B.: Das Berufsbild hat sich leider komplett gewandelt. Jeder macht alles. Dass die richtige Druckdatenaufbereitung aber eine Sparte für sich ist, sehen die Wenigsten. Die Spezialisierung hat daher nicht lange durchgehalten, vielmehr wurden einzelne Berufsgruppen abgetötet.
Braucht Werbung im Zeitalter von günstigen online-Druckereien Eure Arbeit überhaupt noch?
B.: Klares JA! Solange die jeweilige Werbung im qualitativ hochwertigem Bereich angesiedelt ist.
M.: Es sei denn, dem Kunden ist es egal, ob seine abgebildete Tomate wie ein Stück Presskohle aussieht. Bleiben wir ehrlich: Da draußen wird ziemlich viel Amateurarbeit ausgeliefert.
Ihr entwickelt Euch stetig weiter, sei es durch die innovative Hard- und Software oder durch die Einstellung von Designern. Was beobachtet Ihr an den Arbeitsweisen der Konkurrenz?
M.: Eingebettet in Filtern und Funktionen lässt sich alles irgendwie machen, aber es fehlt häufig das Hintergrundwissen und der korrekte Eingriff im Motiv. Bekommt man eine Arbeitsdatei eines Kreativen auf dem Schirm, stellt man fest, wie unsicher und unsinnig gearbeitet wurde. Rekord: 186 Ebenen in einem Photoshopdokument.
Ein kluger Schachzug vom Design bis zur Auftragsabwicklung alles aus einer Hand anzubieten – aber haben Eure Kunden diesen Umschwung im letzten Jahr auch in Anspruch genommen?
B.: Kunden, die man neu aufbaut oder von früh an betreut, nehmen diesen Service problemlos an. Schwieriger gestaltet es sich, ein Umdenken in vorhandenen Strukturen zu erzielen. Dort muss man halt als “Spezialist“ eines Bereiches auftreten. Dass wir aufgrund von personellen Umstrukturierungen Designaufträge übernehmen, spricht sich gerade rum.
Seid Ihr gute Chefs?
Beide: DIE BESTEN!
M.: lacht. Die Zügel hängen bei uns locker, wir fördern lieber eigenständiges Arbeiten, als starke Hierarchien. In der Regel kommt das gut an, führte aber auch schon zu Missverständnissen.
Was schätzt Ihr an Euren Mitarbeitern? Bildet Ihr aus?
M.: Wir haben einen guten Mix an Kompetenzen, die sich super abrufen und umsetzen lassen. Wir züchten die Brut im Bereich Medienoperating.
B.: Wir sehen, dass sie sich mit uns zusammen weiterentwickeln wollen, bzw. auch nur solche Mitarbeiter in unser Team passen, da wir uns just neu definieren.
Was haltet Ihr davon, dass die meisten Projekte heute in einer Nacht und Nebel-Aktion durchgeführt werden? Was leidet darunter mehr – Die Qualität oder der Mitarbeiter? Wie kompromissbereit seid Ihr bei zeitlichen Engpässen?
M.: Wir sind Dienstleister und geben die Geschwindigkeit vor. Habe ich heute einen Job schnell erledigt, ist er morgen die Referenz für übermorgen. Die Mitarbeiter müssen flexibel sein – Stichwort Multitasking –, die Qualität sollte optimalerweise nicht leiden. Wir machten in der Vergangenheit häufig das Unmögliche möglich, zaubern haben wir jedoch noch nicht gelernt.
B.: Die Branche ist zu schnelllebig, um Jobs abzulehnen. Die Qualität leidet in der Regel mehr als der Mitarbeiter. Aber auf beide Komponenten geben wir mit der Erfahrung, die wir bisher sammeln konnten, acht.
Eure Kunden sitzen primär im Norddeutschen Raum. Kann lithografische Arbeit nicht überregional verkauft werden?
M.: Kann – wird von uns auch praktiziert. Aber es bleibt der Wunsch nach Kundennähe: Menschen, in der ganzen technischen Welt, mit denen man reden möchte. Ich glaube, das ist die Aufgabe eines runden oder eckigen Tisches, an dem man sich von Auge zu Auge gegenübersitzt und Gehirnströme fließen lässt. Durch unsere Ein-Klick-Gesellschaft und der heranwachsenden SMS-Generation verkümmert leider auch diese Art der Kommunikation.
B.: Ich würde sogar durchaus eine Rückentwicklung begrüßen. Die Briefings werden z. B. immer kürzer – was folgt, sind Komplikationen in der Kommunikation, verlängerte Arbeitswege und Unzufriedenheit auf allen Seiten. Für uns ist Kundenbindung sowie der persönliche Kontakt das A und O.
Für welche internationale Marke würdet Ihr liebend gerne ein Mal arbeiten?
M.: Für Victoria’s Secret.
B.: Im Sportbereich, z. B. Nike oder Adidas.

